Geschichte des Hemshof

Der Hemshof ist der älteste Stadtteil von Ludwigshafen. Zusammen mit den Stadtteilen Nord und West bildet er den Ortsbezirk Nördliche Innenstadt.

Aus der Geschichte

Der Hemshof, eine fränkische Siedlung, wird erstmals urkundlich im Jahre 771 erwähnt im Codex Laureshamensis (Urkundenbuch des Klosters Lorsch) als Hamingesheim (=Heim des Haming). Als einzige unter den alten Siedlungen im Raum des heutigen Ludwigshafens lag er nicht erhöht über dem Rhein, sondern in der häufig überschwemmten Rheinaue, mit der Folge, dass er oft den Hochwassern des Rheins ausgeliefert war. Pächter bewirtschafteten im Laufe der Zeit das Gut, das den Heidelberger, später noch den Mannheimer Hof belieferte. Im 17. und 18. Jahrhundert waren mennonitische Familien Pächter des Hofes. Dieser bot für die Angehörigen der religiösen Minderheit Schutz und Wohlstand.

Bild: historische Darstellung des Hemshof, Quelle: Stadtarchiv Ludwigshafen

 

Zu den kurfürstlichen Höfen gehörte seit dem 17. Jahrhundert auch die Gräfenau, auch Grevenau. Einst ein Wald- und Weidegebiet im Besitze der Leininger Grafen  ("Grafen-Aue"), welches 1316 erstmalig erwähnt wird. Die Stadt Oggersheim trug sie von den späteren Besitzern Kaiser Ludwig dem Bayern und dem Pfalzgrafen bei Rhein bis 1665 zu Lehen. Kurfürst Karl Ludwig (1648 - 1680) schuf hier einen Bauernhof mit eigener Flur, der im 18. Jahrhundert von der Mennonitenfamilie Graf in Erbbestand bewirtschaftet wurde. An der Stelle der bäuerlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäude steht heute die Gräfenauschule.

Mit der Französischen Revolution endete die Sonderstellung der "Hemshöfe". Sie wurden der Gemarkung Friesenheim zugeschlagen und gingen in den Besitz ihrer ehemaligen Pächter über. Zur Gräfenau und dem Hemshof trat noch der Bauernhof Ganderhof hinzu.

Bild: historische Darstellung der Gemarkung Friesenheim, Quelle: Stadtarchiv Ludwigshafen

 

Der Ganderhof wurde um 1820 von Jakob Ganther I., Sohn des Hemshofbauern Joh. Ganther, an der früheren Einmündung der Ganderhof- in die Frankenthalerstraße erbaut. Zuletzt diente er als Werkswohnung der Fabrik Benkiser und musste 1934 einem Werksbau weichen.

Mit der Gründung Ludwigshafens 1853 wurden die Anwesen dann der neuen Gemeinde übertragen. Ab 1855 wurde im Gebiet des Hemshofs ein Bauverbot erlassen, das allerdings seit der Ansiedlung der BASF auf dem Gebiet des Hemshof im Jahre 1865 zunehmend aufgeweicht wurde und nach 1870 entfiel.

Bild: Blick auf die BASF, Quelle: Stadtarchiv Ludwigshafen

 

Seit dem Jahre 1872 entstand die Werkssiedlung der BASF am Nordende des Areals, das bis zum ersten Weltkrieg zum Wohnbezirk Hemshof wurde. Die Bebauung, die sich zuerst von der BASF aus nach Süden und dann vom Bahnhof nach Norden entwickelte, war sehr dicht, Gewerbe und Wohnen waren eng verzahnt, die meisten Wohnungen entsprechend der sozialen Stellung der Mieter ohne jeden Komfort. Lediglich die Prinzregentenstraße wurden zum "besseren" Viertel für Kaufleute und Chemiker und wies viel Grün und Nutzgärten sowie Häuser für die "Betriebsbeamten" der Firma auf. Die Bevölkerung wuchs von 5.826 im Jahre 1880 auf fast 31.000 30 Jahre später. 1892 wurde das neue städtische Krankenhaus am Rande des Viertels erbaut, ab 1896 entstand die Goetheschule - als erste Schule in Deutschland in Pavillonbauweise-, eine Musteranlage mit Licht und Luft für die Schule.

Bild: städtisches Klinikum, Quelle: Stadtarchiv Ludwigshafen

 

 

Nach dem ersten Weltkrieg wurde das Gebiet zwischen Hemshof und Friesenheim mit neuen und anspruchvollen Wohnanlagen der städtischen und der BASF-Wohnungsbaugesellschaft "aufgefüllt". Trotz seiner Nähe zur BASF verlor der Hemshof im zweiten Weltkrieg nur ein Viertel seines Wohnungsbestandes, der geringste Wert aller Innenstadtbezirke. Der unzerstörte Baubestand war jedoch auch sehr veraltet, und seit den 1950-Jahren wurde eine Sanierung vorbereitet. Die Nähe zur Industrie führte dazu, dass im Hemshof verstärkt Gastarbeiter - zuerst Italiener, dann Griechen, zuletzt Türken - siedelten.

Bild: Blick über die Wohnkolonie Hemshof, Quelle: Stadtarchiv Ludwigshafen

 

 

 

Die seit 1972 laufende und im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends weitgehend abgeschlossene Sanierung hat den Hemshof völlig verändert, wobei die bewahrende Sanierung den historischen Charakter der Ludwigshafener "Altstadt" bewahren half.

 

Bild: Blick auf restaurierten Hemshof, Quelle: Stadtarchiv Ludwigshafen

 

(Quelle: Geschichte der Stadt Ludwigshafen am Rhein, Stadtarchiv Ludwigshafen)