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Auf Klingeltour für mehr Sauberkeit

Kommunales

„Es ist ein wunderschöner Stadtteil.“ Nord-Ortsvorsteher Antonio Priolo (SPD) wird nicht müde, den Hemshof zu loben. Trotz aller Probleme und den vielen Müllablagerungen, die es hier gibt. Deshalb startete der 62-Jährige gestern eine neue Aktion. Er tingelte durch die Gartenstraße und warb direkt bei den Bürgern für mehr Sauberkeit.

Die Gartenstraße sieht nicht gerade einladend aus. Und genau das wurmt Antonio Priolo. Der große Hemshof-Fan verschließt nämlich nicht die Augen vor den Problemen, sondern geht sie offen an. „Schauen Sie“, sagt er und zeigt auf eine Baumscheibe. „Hier werfen die Leute einfach ihren Müll hin. Manchmal kommen Leute mit Mülltüten her und stellen sie direkt am Baum ab.“ Dass der Wirtschaftsbetrieb WBL deshalb täglich kommt, um sauber zu machen, helfe zwar für den Augenblick – sei aber keine Lösung.Seit zweieinhalb Jahren schon steht der Hemshof im Fokus von Polizei und Stadt, um hier das Sicherheitsgefühl und die Sauberkeit zu verbessern. Die Erfolge? Halten sich in Grenzen. Die Stadt holt den Müll zwar schneller ab, aber an die Verursacher kommt niemand so richtig ran. Genau diese Frage aber treibt Priolo inzwischen um. Deshalb hat er im November auch den Antrag gestellt, dass die Stadt im Hemshof Müllfahnder einsetzen soll. Doch die Verwaltung winkte ab. Es gebe dafür kein Personal. „Damit bin ich unzufrieden“, bekennt der 62-Jährige. Und hat aus dem Frust heraus eine Idee entwickelt: die Aktion „Unser Stadtteil soll sauberer werden“.

Gestern ging es damit los. Priolo hat sich für den Auftakt die Gartenstraße ausgesucht und betreibt damit echte Graswurzelarbeit. Eine gute Stunde lang ist er von Haus zu Haus gegangen und hat überall bei den Mehrparteienanwesen geklingelt. Zur Sicherheit hatte er seinen Ortsvorsteher-Ausweis eingepackt. „Wir haben hier ja einen hohen Migrantenanteil. Nicht alle werden mich kennen, da will ich zeigen, dass ich jemand Offizielles bin.“ Für jeden Haushalt hat er einen Zettel dabei. Da steht auf Deutsch, dass alle Bürger mithelfen sollen bei „unserem Müll-Problem“. Die Gartenstraße solle sauberer und so zum Vorbild für den ganzen Hemshof werden. Damit jeder Priolo versteht, steht auf dem Zettel auch noch scheinbar ganz Banales: „Müll gehört in die Tonne, nicht auf die Straße. Baumscheiben sind keine Müll-Abladeplätze.“

Um 15.30 Uhr geht es los. „Ich bin selbst gespannt.“ Schon am ersten Haus fällt etwas Anspannung von ihm ab. Eine Frau öffnet. Sie kennt das Problem und diskutiert offen mit dem SPD-Politiker. Er drückt ihr den Zettel in die Hand und ermuntert sie: „Sprechen Sie die Nachbarn auf die Aktion an, erzählen Sie mein Anliegen weiter. Ich bin auch immer erreichbar.“ Im zweiten Haus muss Priolo die Treppen hoch. Nun zeigt sich, dass er seinen Stadtteil gut kennt. „Wissen Sie, wer ich bin? Ich bin der Ortsvorsteher.“ Die Antwort: „Kenne ich nicht.“ Aber das bringt Priolo nicht aus der Ruhe. Er erklärt sein Anliegen, übergibt den Info-Zettel und wirbt fürs Mitmachen. Unten verteilt er Zettel in den Briefkästen. Priolo strahlt: „Es läuft. Es ist gut, wenn ich Leute treffe. Die erzählen das dann weiter.“

So geht’s von Haus zu Haus. Die Gespräche sind nett und freundlich. Priolo ist zufrieden. „Die sind alle einsichtig. Mal gespannt, ob sie auch was machen.“ Er sei Realist, erwarte nicht den großen Durchbruch. „Man spricht über das Projekt. Das ist ein Anfang.“ Beim nächsten Mal will er Ortsbeiratsmitglieder und Bürger mitnehmen – wie bei der Reinigungsaktion Sauberer Hemshof. „Wir müssen an einem Strang ziehen, damit der Hemshof sauberer wird.“ Es müsse sich dringend etwas ändern, betont Priolo. „Bei mir kommen jeden Tag Beschwerden an.“

(Rheinpfalz vom 16.02.2018)